„Ein Fenster hinter dem Waschbecken? Das war im Plan nicht
eingezeichnet!“
Baustellen-Konflikte und ihre Lösung.

Im Verlauf von Planung und Realisierung eines Hauses oder einer Wohnung sind viele Gespräche zwischen Auftraggeber und Architekt notwendig, es müssen Diskussionen geführt und einander Entscheidungen abgerungen werden. Fehlt die Bereitschaft Fragen zu stellen und Unklarheiten anzusprechen, können unbearbeitete Problem zurückbleiben, die oft als Konflikte enden.

Eine häufige Konfliktursache ist die Kostenfrage sein. Die erste Kostenschätzung ist oft noch ungenau, da zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Parameter bekannt sind. Im Laufe der Planung kommt es häufig zu Änderungen, die sich auch aus Bauherrenwünschen ergeben können. Werden die damit verbundenen Kosten nicht rechtzeitig und durchschaubar kommuniziert, sind Konflikte unvermeidlich.

Auch Termine können Anlass zu Streit geben. Je näher die Fertigstellung rückt, desto unruhiger wird der Bauherr. Bei Terminverzug trifft den Groll des Bauherrn in erster Linie seinen Ansprechpartner; den Architekten:

Was tun, wenn es kracht? Der beste Weg ist natürlich die Konfliktvermeidung. Die funktioniert; wenn Auftraggeber und Architekt intensiv miteinander kommunizieren und alle möglichen Probleme sofort ausdiskutieren. Andernfalls bieten sich drei Möglichkeiten: das Mediationsverfahren, das Schiedsgericht, die Klage bei Gericht.

Ich halte das Mediationsverfahren für die sinnvollste Form. Dabei wird versucht, den Konflikt mit den Streitparteien aufzuarbeiten. Gelingt es, eine Win-Win Situation für alle herzustellen, so ist der Streit mit geringstem Schaden und vergleichbar geringen Kosten zu bewältigen. Ist die Einigung nicht zu erreichen, so steht den Streitparteien noch immer der Weg zu Gericht offen.

Das Schiedsgericht scheint mir die zweitbeste Möglichkeit. Je ein Scheidrichter des Vertrauens beider Streitparteien und ein unparteiischer Schiedsrichter fällen das Urteil, dieses ist im Unterschied zum Mediationsverfahren bindend. Im Normalfall dauert das Verfahren nicht lange und ist billiger als ein Gerichtsverfahren.

Eine Klage bei Gericht ist der aufwändigste Weg. Das Gericht kann für jedes Problem einen Gutachter bestellen, das kostet Zeit und Geld. Selten gibt es klare Gewinner und Verlierer - meistens endet es im Vergleich. Der ist aber im Mediations- oder im Schiedsverfahren einfacher zu erzielen.

Architekt DI Heinz Lutter
für die Tageszeitung »Der Standard«

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